Was sind Lernstrategien?

Yves Karlen, Carmen Hirt, Sophie Zimmermann

Lernstrategien sind „Werkzeuge“, um das eigene Lernen zu steuern. In der Literatur wird der Begriff sehr unterschiedlich definiert. Wir definieren Lernstrategien wie folgt:

«Lernstrategien sind bewusste wie auch unbewusste (automatisierte) Gedanken und Verhaltensweisen, die von Lernenden aktiv ergriffen werden, um den Aufbau von Wissen und Können und den Lernprozess zu unterstützen.»

 

Durch Lernstrategien lässt sich die Qualität des Lernens erhöhen, weil neue Informationen gezielt und planmässig aufgenommen und verarbeitet werden. Lernstrategien steigern jedoch nicht per se den Lernerfolg. Für positive Effekte ist es zentral, dass eine Lernstrategie zielgerichtet und situationsgerecht eingesetzt wird und die Schülerinnen und Schüler über ein Minimum an Erfahrung im Umgang mit dieser verfügen. Zum einen verlangt dies viel Übung. Zum anderen setzt dies voraus, dass die Lernenden über Strategiewissen verfügen. Das heisst, Schülerinnen und Schüler sollten Wissen über Lernstrategien (Was ist das?), über den Einsatz von Lernstrategien (Wie setze ich diese ein?) und über den Nutzen von Lernstrategien in verschiedenen Lernsituationen (Wann und warum ist diese wirksam?) aufweisen. Eine angemessene Auswahl und die souveräne Anwendung von Lernstrategien ermöglichen es, den Lernenden, unabhängig von der Art und Weise des Unterrichts, Herausforderungen und Problemen mit Zuversicht zu begegnen und ihr eigenes Lernen positiv zu beeinflussen.

 

Auch wenn die Einteilung der Lernstrategien in verschiedene Kategorien in der Literatur nicht einheitlich ist, wird oftmals zwischen kognitiven, metakognitiven und ressourcenorientierten Strategien sowie Motivations- und Emotionsstrategien unterschieden.

 

  1. Kognitive Lernstrategien werden eingesetzt, um Informationen zu verarbeiten, zu speichern und abzurufen. Sie helfen den Lernenden, sich mit dem Lerngegenstand vertieft auseinanderzusetzen und dadurch die Inhalte besser zu verstehen und anzuwenden (z. B. Mindmapping, etwas durch Wiederholen memorieren, einen Text zusammenfassen).

  2. Metakognitive Strategien dienen der Überwachung, Kontrolle und Regulierung des Lernprozesses. Mit den metakognitiven Strategien können Lernende ihre Lernschritte planen, ihr Lernen überprüfen und steuern sowie das Erreichte evaluieren und reflektieren (z. B. Strategien der Planung, Überwachung und Evaluation).

  3. Strategien des Ressourcenmanagements werden auch Stützstrategien genannt, weil sie sich auf Möglichkeiten beziehen, das eigene Lernen durch interne und externe Ressourcen positiv zu unterstützen. Hierzu gehören beispielsweise das Aufrechterhalten der Konzentration, die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche zu lenken, Kolleginnen und Kollegen oder die Lehrperson um Unterstützung zu fragen oder den Arbeitsplatz zu gestalten (z. B. Zeitmanagement, Arbeitsplatz ruhig gestalten, Ablenkung durch Smartphone vermeiden).

  4. Strategien der Motivationsregulierung erhöhen die Bereitschaft, sich mit einer Sache zu beschäftigen und bei Herausforderungen dranzubleiben. Sie stärken die Anstrengungsbereitschaft und das Durchhaltevermögen (z. B. sich selbst belohnen, Dinge nicht aufschieben, kleine Erfolgserlebnisse schaffen).

  5. Strategien der Emotionsregulation helfen Gefühle, die beim Lernen entstehen, zu regulieren, so dass sie im besten Fall das Lernen unterstützen und nicht zu Lernwiderständen führen. Eine wichtige Rolle nimmt insbesondere die Regulation von eher hemmenden Gefühlen wie Frust und Ärger ein (z. B. sich entspannen, schlechte Gedanken stoppen).

 

Quellen

  • Mandl, H., & Friedrich, H. F. (2006). Handbuch Lernstrategien. Göttingen: Hogrefe.

  • Leopold, C. (2009). Lernstrategien und Textverstehen. Spontaner Einsatz und Förderung von Lernstrategien. Münster: Waxmann.

  • Wild, K.-P., & Schiefele, U. (1994). Lernstrategien im Studium: Ergebnisse zur Faktorenstruktur und Reliabilität eines neuen Fragebogens. Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 15(4), 185-200.

  • Weinstein, C. E., & Mayer, R. E. (1986). The Teaching of Learning Strategies. In M. C. Wittrock (Ed.), Handbook of Research on Teaching (pp. 315-327). London: Collier Macmillan.