Wie lässt sich das selbstregulierte Lernen im Unterricht fördern?

Yves Karlen, Sophie Zimmermann, Carmen Hirt

Bisherige Studienergebnisse machen deutlich, dass sich das Selbstregulierte Lernen (SRL) durch gezielte Massnahmen über verschiedene Altersstufen hinweg und bei Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichem Leistungsniveau und Bildungshintergrund erfolgreich fördern lässt und einen positiven Einfluss auf die Leistung hat. Bei einem vom fachlichen Inhalt losgelösten Training (z. B. «Lernen lernen»-Modul) werden die Schülerinnen und Schüler Mühe mit dem Transfer der Strategie in den Fachunterricht bekunden. Wirkungsvolle Trainings knüpfen das SRL an fachliche Inhalte. Hierbei wird das «Was» explizit mit dem «Wie» des Lernens gekoppelt.

 

«Als besonders wirksam

hat sich eine Kombination von

direkten und indirekten Fördermassnahmen erwiesen.»

 

Das SRL der Schülerinnen und Schüler lässt sich sowohl direkt als auch indirekt fördern. Bei der direkten Förderung werden beispielsweise Strategien durch die Lehrperson an Lerninhalten vorgezeigt und die Schülerinnen und Schüler versuchen anschliessend, diese Strategien beim Bearbeiten der Lernaufgaben anzuwenden. Als hilfreich für die erfolgreiche Nutzung von Strategien hat sich erwiesen, wenn die Schülerinnen und Schüler erfahren warum, wie und wann es wichtig ist, eine bestimmte Strategie anzuwenden und in welchen Situationen diese Strategie anzuwenden ist. Das SRL kann zudem durch indirekte Fördermassnahmen unterstützt werden. Bei diesen stellen die Lehrpersonen Lernumgebungen bereit, die Raum für SRL lassen, beispielsweise durch die Öffnung des Unterrichts (u.a. projektartiges Arbeiten, Wochenplan, Werkstatt). Hierbei erhalten die Schülerinnen und Schüler u.a. inhaltliche (Inhalte, Themen), methodische (Lernweg) und organisatorische (Sozialform und Lernzeit) Mitbestimmungsmöglichkeiten. Als besonders wirksam hat sich eine Kombination von direkten und indirekten Fördermassnahmen erwiesen.

 

Wodurch zeichnen sich SRL-förderliche Lernumgebungen aus?

Untenstehend sind Merkmale von Lernumgebungen aufgelistet, die das Potenzial in sich tragen, das SRL zu fördern. Diese dienen als Orientierungspunkte bei der Planung des Unterrichts. Es müssen nicht immer und jederzeit alle Merkmale umgesetzt werden.

 

Die Lernumgebungen zeichnen sich dadurch aus, dass…

  1. eine Auseinandersetzung mit komplexen und authentischen Lernaktivitäten, die sowohl fachspezifisches Wissen als auch Wissen über SRL fördern, stattfindet. Diese Lernaktivitäten laden dazu ein, auf unterschiedlichen Wegen, entdeckend und aktiv dem Wissen auf die Spur zu kommen. Sie umfassen klare und strukturierte Aufträge.

  2. die Schülerinnen und Schüler das Lernen mitgestalten können, indem sie beispielsweise mitentscheiden, woran, wo, mit wem und wie lange sie arbeiten möchten, um ihre Lernziele zu erreichen.

  3. klare und für die Schülerinnen und Schüler transparente Lernziele vorhanden sind. Die inhaltliche Basis für Verbindlichkeiten und Standards bilden Kompetenzraster.

  4. eine adaptive Lernunterstützung durch die Lehrperson bei individuellen Herausforderungen stattfindet und die Schülerinnen und Schüler Feedback zum Lernprozess und zur Selbstregulation erhalten.

  5. sowohl formative Leistungsrückmeldungen während des Lernens als auch unterschiedliche summative Beurteilungsformen nach dem Lernen eingesetzt werden. Auch Formen des Peer-Feedbacks und der Selbstbeurteilung (z. B. Lösungshilfen und Musterlösungen) gewinnen an Bedeutung.

  6. positive Überzeugungen über das Selbst in Bezug auf das Lernen und das Lösen von herausfordernden Problemen gezielt unterstützt werden.

 

Einige Orientierungsfragen für die Planung des Unterrichts

  • Sind Aufgaben mit durchgehender Verknüpfung von fachlichen Kompetenzen und SRL vorgesehen?

  • Sind die Lernziele und zu erreichenden Kompetenzen für die Schülerinnen und Schüler transparent?

  • Setze ich hin und wieder Kompetenzraster / Lernzielübersichten im Unterricht ein?

  • Lässt der Unterricht Raum für Mitbestimmung und Mitgestaltung durch die Schülerinnen und Schüler?

  • Werden Strategien explizit vermittelt?

  • Setze ich verschiedene Formen der formativen Leistungsüberprüfung und -rückmeldung ein?

  • Beziehen summative Beurteilungsformen auch die Kompetenzen im SRL ein?

 

 

Quellen

  • Cleary, T. J., & Zimmerman, B. J. (2004). Self-regulation empowerment program: A school-based program to enhance self-regulated and self-motivated cycles of student learning. Psychology in the Schools, 41(5), 537-550.

  • De Corte, E., Verschaffel, L., & Masui, C. (2004). The CLIA-model: A framework for designing powerful learning environments for thinking and problem solving. European Journal of Psychology of Education, 19(4), 365-384.

  • Paris, S. G., & Paris, A. H. (2001). Classroom Applications of Research on Self-Regulated Learning. Educational Psychologist, 36(2), 89-101

  • Perels, F., Gürtler, T., & Schmitz, B. (2005). Training of self-regulatory and problemsolving competence. Learning and Instruction, 15(2), 123-139.

  • Perry, N. E. (2013). Classroom processes that support self-regulation in young children [Monograph]. British Journal of Educational Psychology, Monograph Series II: Psychological Aspects of Education—Current Trends, 10, 45-68.